Leaky Gut. Der durchlässige Darm

Aktualisiert: 13. Jan.


„Ich glaube, ich habe Leaky Gut.“ Diese Diagnose habe ich mir damals selbst gestellt, nachdem sich mein Gesundheitszustand über mehrere Jahre immer weiter verschlechtert hatte, ich immer dünner wurde, chronisch müde und erschöpft war, häufige Infekte hatte und die ersten Anzeichen einer Autoimmunerkrankung bekam.


Leaky Gut. Was ist das?


Löchrig, durchlässig, undicht, all das bedeutet das Wort leaky im Englischen (engl: Gut, der Darm). Da stellt man sich gleich große Löcher vor, die den Darm zu einem Sieb machen. Ganz so dramatisch ist es nicht. Man muss sich das ganze so vorstellen:


In einem gesunden Darm bilden die Zellen der Darmwand einen dichten Zellverband. Die Verbindungsstellen der einzelnen Zellen werden von sogenannten Schlussleisten (engl. tight junctions) abgedichtet. Werden diese Schlussleisten undicht, entsteht das Leaky-Gut-Syndrom.


Selbst bei einem gesunden Menschen ist die Darmschleimhaut nicht zu 100 % dicht. Sie ist semi-permeable, also halb-durchlässig. Eine gesunde Membran kann aber genau unterscheiden, welche Stoffe sie passieren lässt und welche nicht. Unproblematische Eiweisse, Nährstoffe, Vitamine, Elektrolyte usw. dürfen und sollen durch, problematische Stoffe wie artfremde Eiweiße, Toxine, Pilze etc. werden zurückgehalten.


Ist die Schutzbarriere der Darmwand nicht intakt, können unverdaute Nahrungsbestandteile, Bakterien und Stoffwechselprodukte durch die geschädigte Darmschleimhaut in den Blutkreislauf gelangen. Hierdurch entstehen Entzündungen, die viele unterschiedliche Krankheitsbilder hervorrufen können.


Die Chamäleon-Erkrankung


Das Problem bei Leaky Gut sind die unspezifischen und vielfältigen Symptome. Dieselbe Erkrankung ist ursächlich für zahlreiche Beschwerden wie Blähungen, Verstopfung, Erschöpfung, Gereiztheit, Stimmungstiefs, körperliche und geistige Schwäche, dünner werdende Haare, brüchige Nägel, Hauterkrankungen, leichte bis schwere Depressionen und so weiter…


Tatsächlich hat fast jeder zweite Patient Symptome außerhalb des Darms, obwohl er eigentlich in erster Linie an Leaky Gut leidet.


Leider tun sich immer noch viele Ärzte aus dem Bereich der Schulmedizin schwer, eine eindeutige Diagnose auf Leaky Gut zu stellen und zweifeln das Vorhandensein einer durchlässigen Darmschleimhaut und ihrer weitreichenden Konsequenzen immer noch an. Angeblich gäbe es hierzu weder Beweise noch Forschung noch Studien. Das stimmt nicht.


Wer überhaupt noch daran zweifelt, der sollte mal in einer Online Datenbank, wie zum Beispiel Pubmed, den Begriff „Leaky Gut“ oder „increased intestinal permeability“ (“erhöhte intestinale Permeabilität“) eingeben. Dort wird man zahlreiche Studien finden, die es zu diesem Thema gibt. Sogar die Harvard School veröffentlicht immer wieder Informationen darüber.


Übrigens wird in der Naturheilkunde und bei Heilpraktikern diese Erkrankung schon seit Jahren ernst genommen und erfolgreich behandelt.


Die Ursachen von Leaky Gut


Weil diese Erkrankung so viele Symptome hat, kann sie auch sehr viele Ursachen haben. Wie so oft ist auch hier der ganzheitliche Blickwinkel entscheidend. Wie gut oder schlecht ist Deine Ernährung? Bekommst Du genügend Schlaf? Bewegst Du Dich regelmäßig an der frischen Luft? Bist Du ausgeglichen oder hast Du regelmäßig Stress?


Wie bei den meisten Erkrankungen gibt es nicht nur einen ausschlaggebenden Faktor, sondern mehrere Risikofaktoren die zusammenfliessen müssen, damit es zu einer Erkrankung kommt.


Eine gesunde Ernährung ist wichtig. Aber wenn man chronisch gestresst ist, zu wenig schläft, sich keine Zeit für Bewegung nimmt und sich selten bis gar nicht an der frischen Luft bewegt (also auch kaum Licht bekommt),  dann ist man für ein Leaky Gut genauso anfällig wie jemand, der sich schlecht ernährt, dafür aber genügend schläft, entspannt ist etc.


Wie wird Leaky Gut diagnostiziert?


Im Labor gibt es verschiedene Möglichkeiten, auf sogenannte Leaky Gut Marker zu untersuchen. Da wäre zum Beispiel das Protein Zonulin. Dieses Protein reguliert die Tight Junctions. Frei gesprochen regelt es, ob sich die Darmwand öffnet, oder geschlossen bleibt. Bei Leaky Gut Syndrom ist vermehrt Zonulin im Blutserum oder im Stuhl nachweisbar.


Allerdings kann auch bei anderen Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1, Multiple Sklerose oder auch rheumatischen Erkrankungen, ein Übermaß an Zonulin festgestellt werden. Deswegen werden noch weitere Marker zur Diagnostik herangezogen wie das Protein Alpha-1-antitrypsin, das Protein Calprotectin und Immunzellen wie das Immunglobulin A. Diese Marker im Serum oder im Stuhl weisen auf Entzündungen der Darmschleimhaut hin.


Brauche ich einen Leaky Gut Test?


Es gibt zurzeit keine Studien, die untersucht haben, wie viele Menschen an Leaky Gut leiden. Sicher kann man aber folgendes festhalten: Menschen mit Migräne und immer wiederkehrenden Kopfschmerzen, neurologischen oder leicht psychischen Symptomen, Autoimmunerkrankungen, Reizdarm oder anderen Erkrankungen des Darms sollten sich in jedem Fall auf Leaky Gut untersuchen lassen.


Wenn man dann noch bedenkt, dass eine große Zahl (um nicht zu sagen, die Mehrheit) der Menschen sich wenig für Ernährung interessiert und somit oft schon einen geschädigten, irritierten oder leicht entzündeten Darm haben, dann sprechen wir hier schon von einem ganz beträchtlichen Teil der Bevölkerung, bei dem zumindest ein Verdacht auf Leaky Gut berechtigt ist.


Ist Leaky Gut heilbar?


Leaky Gut ist tatsächlich umkehrbar und damit heilbar, denn die Darmschleimhaut ist in der Lage, die „Löcher“ zu schließen und sich zu regenerieren. Eine Heilung kann man mit den gleichen Parametern testen, die man bereits für die Diagnostik verwendet hat. Außerdem bemerkt man schnell, dass die Symptome, die mit der Erkrankung auftraten, geringer werden oder sogar ganz verschwinden.


Aber es ist so: wenn jemand jahrelang Dinge gemacht hat, die dazu geführt haben, dass Entzündungen vorliegen, kann man nicht erwarten, dass alles binnen einer Wochen wieder weg ist. Heilung ist ein Prozess. Dieser Prozess kann sechs Monate dauern oder auch ein Jahr und länger. Entscheidend ist, dass man den ganzheitlichen Ansatz verfolgt und sich nicht nur auf einen Bereich z. B. die Ernährung konzentriert.


Der Weg ist das Ziel. Und es fällt leichter, wenn man anfängt, kleine Bausteine zu ändern und gewisse Erfolge zu sehen auf denen man aufbauen kann. Es ist nie gut, von einem Extrem ins nächste zu wechseln. Dadurch verliert man die Balance und die Gefahr eines Rückfalls in alte Gewohnheiten ist groß.


Leaky Gut als Chance


Ganz im Sinne der Salutogenese, habe ich mir die Frage gestellt, was mir diese Erkrankung sagen will. Ich habe Antworten in vielen Bereichen darauf erhalten.


Eine Ernährungsumstellung auf überwiegend pflanzenbasierte Kost war nur ein Teil davon. Ich priorisiere nun auch meinen Schlaf, gönne mir öfter mal kleine Wohlfühloasen im Alltag und habe über das Meditieren auch den Zugang zu mehr Achtsamkeit für mich und meine Familie gefunden.

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Leaky Gut macht keinen Spaß, denn die Symptome sind unangenehm und die Heilung mit viel Disziplin und Umstellung verbunden. Aber wenn man bereit ist, die Krankheit als Chance zu sehen, sein Leben positiv zu verändern, dann kann sie, wie in meinem Fall, zu einem Happy End führen.


Ich wünsche Dir eine gesunde Verdauung und eine intakte Darmschleimhaut,


Deine Nicole


P. S. Vermutest Du, an einem Leaky Gut zu leiden? Mit meinem 3-Tage-Detox-Programm führe ich Dich ein in die Welt der pflanzenbasierten Ernährung. Diese ist nachweislich die gesündeste Art der Ernährung und entlastet Deinen Darm auf vielfältige Weise. Vielleicht ist das für Dich der Einstieg in eine gesündere Lebensform. Probiere es aus!

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